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Dreher - Eine Bier-Geschichte

Dreher - Eine Namens-Verwandtschaft

Birra Dreher (Italien)

In Italien ist das "Birra Dreher" sehr bekannt. Während unseres Italien-Aufenthaltes wurden wir immer gleich mit der Bier-Marke in Verbindung gebracht, wenn wir unseren Namen nannten. Das "Birra Dreher" war dann auch während rund zwei Jahren unsere Hausmarke.

 

Dreher Bier in Ungarn

Auf unserer Donaureise traf ich dann auch in Budapest auf eine Bier-Werbung, die meinen Namen trug. Gerne hätte ich auch dieses Bier getestet, aber leider war es dort, wo ich einkehrte, nicht erhältlich. Einzig in der Markthalle sah ich einen Stand, wo dieses Bier ausgeschenkt wurde. Doch dort war es uns zu ungemütlich (und noch zu früh), um Bier zu trinken.

Aber nachdem uns nach unserem Csarda-Abend so schöne Laternen mit dem Bier-Logo den Weg zum Car-Parkplatz erhellten, habe ich mir erlaubt, die fotografierte Laterne als Logo in meine Homepage zu integrieren.

Die Brauerei mag mir das verzeihen und als Gratis-Werbung betrachte. (Und ich verspreche, das ungarische Dreher-Bier bei meinem nächsten Besuch in Ungarn zu kosten.)

http://www.dreher.hu

 

Die Dreher-Bier-Geschichte

Jetzt war ich aber neugierig geworden, ob die beiden Bier-Sorten in einem Zusammenhang zueinander stehen würden. Ich habe im Internet recherchiert und bin auf Interessantes gestossen:

Der Name Dreher hat in der Braugeschichte und Bierkultur eine absolute Sonderstellung.

Die Brauerei Schwechat hatte ihre Hochblüte der Brauerdynastie Dreher zu verdanken.

In Schwechat entstand 1841 das weltberühmte Lagerbier. Nach diesem Verfahren wird heute noch gebraut!

Es war Anton Dreher der Bier das erste Mal nach diesem, seinem, Verfahren braute und haltbar machte. Dies glich einer Sensation.

Den Dreher's haben die Bierfreunde dieser Welt viel zu verdanken. Und in der Brauerei Schwechat wird dieses Erbe auch heute noch hoch gehalten und es wird ständig an neuen Technologien gearbeitet - und natürlich an bestem Bier.

Dreher's in Italien - genauer gesagt in Triest - wurde ursprünglich von der Dynastie Dreher gegründet, ebenso in Budapest. Die Dreher's waren weltweit sehr erfolgreich tätig. Durch die Wirren des 1.Weltkrieges kamen aber der Familien-Dynastie beide Brauereien abhanden.

Es gab aus der Schwechater Brauerei bis vor 5 Jahren auch noch ein Bier mit der Bezeichnung "Dreher's Schwarzbier".
Frau Elisabeth Brandl, Verkaufsdirektion Wien der Brau Union Österreich AG schreibt mir in einem E-Mail: "Es tut mir persönlich leid, dass dieses Spitzenbier nicht mehr gebraut wird."


Brauerei Klein Schwechat und Franz Anton Dreher

1632 gründet Peter Descrolier, Kammerdiener und Zahlmeister des Erzherzog Matthias, die Brauerei Klein-Schwechat.
Die Erfolgsgeschichte von Schwechater Bier begann 1760 als Franz Anton Dreher als Kellner nach Wien kommt und die Brauerei Ober-Lanzendorf in Pacht nimmt. 1782 pachtet er auch das Brauhaus "Im unteren Werd" und führt dieses mit nennenswertem Erfolg.

Für 19.000 Gülden erwirbt 1796 Franz Anton Dreher auch die Brauerei Klein-Schwechat samt 46 Joch Äcker im Freuenfeld und 32 Joch im untern Feld, ferner zwei Tagwerk Wiesen an der Liesing, 1 1/2 Tagwerk Garten und das Herberghäusl.

Das Klein Schwechater Lagerbier

1841 lagert Dreher im Wirtshaus "Zur Kohlreunze" sowie in Dreher's Haus in Kledering zum ersten Mal helles untergäriges Bier ein und brachte es nach vollkommener Ablagerung unter der Marke "Klein-Schwechater Lagerbier" nach Wien.
Hier wurde es mit solcher Begeisterung aufgenommen, dass die Wiener nur noch Schwechater trinken wollten. Dies war die Geburtstunde des heute weltweit vertretenen "Lagerbiers"!

Der große Ansturm auf das Lagerbier brachte es allerdings auch mit sich, die Hilfe von Maschinen in Anspruch zu nehmen. Dreher setzte zirka 1848 als erster Brauer von Österreich eine Dampfmaschine zum Bierbrauen ein. Diese ist heute im Technischen Museum in Wien ausgestellt!

Der Siegeszug der Schwechater Brauerei

Im Laufe der 50er Jahre wurde die Brauerei Schwechat zur größten des europäischen Festlandes und die Sendungen "Klein Schwechater Lager" gingen weit über die Grenzen Österreichs hinaus. Unter anderem kaufte Dreher 1859 die Brauerei Michelob bei Saaz, 1862 die Brauerei Steinbruch in Budapest sowie 1869 die Brauerei Triest.
1858 wird Drehers Lagerbier bei der Ausstellung in Wien mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Die größte Ehrung wurde Dreher am 26. November des Jahres 1861 zu teil: Kaiser Franz Josef I. besuchte das Brauhaus Schwechat und zeichnete Anton Dreher mit dem Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens aus. 1862 erhält Dreher die 1. Goldmedaille für das Klein-Schwechater Lager in London, 1867 erhält er die Goldmedaille mit Diplom bei der Weltausstellung in Paris. 1869 erringt das Schwechater Lagerbier in Amsterdam das Große Diplom. 1873 Goldmedaille bei der Weltausstellung in Wien. 1878 Gold in Paris, 1879 Gold in Sydney, 1878 Gold in Melbourne, 1882 Gold in Triest.

Anton Dreher jun.

Nachdem 1863 Anton Dreher sen. stirbt, übernimmt 1870 Anton Dreher jun. (geb. 1849) nach Absolvierung des akademischen Gymnasiums in Wien die Leitung des Brauereikonzerns.
Im "eislosen Winter" 1872 musste das zur Kühlung notwendige Eis, ca. 100 Millionen Kilogramm, aus Polen mit der Eisenbahn gebracht werden. Diese Erfahrungen veranlassen Anton Dreher sich mit der künstlichen Kühlung und Eiserzeugung zu beschäftigen. Professor Carl von Linde erhielt den Auftrag zur Konstruktion einer Kühlmaschine, die Dreher 1877 im Brauhaus Triest und danach auch in Schwechat aufstellte. Dreher war somit der erste Brauer überhaupt, der die künstliche Kellerkühlung einführte und damit bahnbrechend für diese heute unentbehrlich gewordene Einrichtung wirkte.

Am 4. Juni 1883 besucht Kaiser Franz Josef zum zweiten Mal die Brauerei und verleiht Anton Dreher jun. das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens. 1897 erhielt Dreher das Komturkreuz, später das Großkreuz dieses Ordens und 1902 den Orden der eisernen Krone II. Klasse.

1897 erzeugte die Brauerei Schwechat unter Anton Dreher jun. die Riesenmenge von 739.639 Hektoliter Bier, das war mehr als das Doppelte seit der Übernahme der Brauerei von seinem Vater. In den folgenden Jahren entwickelten sich die "Dreherschen" Brauhäuser mit einer Gesamtproduktion von zirka 1,25 Millionen Hektoliter zum größten Brauereiunternehmen der Welt, das von einem Eigentümer geführt wurde. 1905 wurde die Brauerei in "Anton Drehers Brauereien Aktiengesellschaft" umbenannt.

Vereinigte Brauereien und der Erste Weltkrieg

Die Brauerei St. Marx wurde im Laufe der Zeit eine spürbare Konkurrenz für die Schwechater Brauerei. 1913 erfolgte die Fusion der Brauerei Schwechat mit der Brauerei St. Marx sowie auch mit der Brauerei Simmering zur "Vereinigte Brauereien Schwechat, St. Marx, Simmering - Dreher, Mautner, Meichl Aktiengesellschaft".
Während des Ersten Weltkrieges erfolgten hohe Abgaben an die Kriegskasse. Der Bierausstoß sank von 1.276.751 HL vor dem Krieg auf einen Kriegstiefststand von 94.200 HL. Produziert wird nur minderwertiges "Kriegsbier". Das Brauhaus Schwechat wurde auf eigene Kosten in ein Kriegsspital für 80 Mann umgestaltet. Die an der Front tätigen Mitarbeiter erhielten während der gesamten Kriegsdauer ihr Gehalt. Hinterbliebene wurden von der Familie Dreher unterstützt. Der Braubetrieb war zwar drastisch eingeschränkt - aber niemals stillgelegt.

Das Ende der Familiendynastie Dreher

1921 stirbt Anton Dreher als unermesslich reicher Mann und hat sich in der Geschichte der heimischen Brauindustrie einen bleibenden Platz dadurch gesichert, dass er das Werk seines unvergänglichen Vaters zu nie geahnter Größe empor trug.
Nach seinem Tod wird sein ältester Sohn Anton Eugen Dreher (geb. 1871) zum Präsidenten der Vereinigten Brauereien AG gewählt. Bereits 1925 jedoch stirbt Anton Eugen Dreher. Somit scheidet der letzte Schwechater Brauherr, der mit der Schöpfung seiner Vorfahren untrennbar verbunden fühlte, aus dieser Welt. Die Führung des Konzerns wurde von einem Verwandten Eugen Drehers übernommen. Dieser füllte die Stelle jedoch nicht aus und verkaufte 1925 die ihm zugefallenen Aktien der Brauerei zur Gänze an ein Bankenkonsortium. Damit endet die 130-jährige Geschichte der Familiendynastie der Drehers mit der Brauerei Schwechat.

1927 und 1928 werden die Hütteldorfer Brauerei-Aktiengesellschaft, die Brauerei Jedlesee sowie die Brauerei Waidhofen in die Vereinigte Brauereien AG aufgenommen. Das Unternehmen heißt nun "Vereinigte Brauereien Schwechat, St. Marx, Simmering, Hütteldorf, Dreher, Mautner, Meichl Aktiengesellschaft".

Die Familie Mautner-Markhof, die seit vielen Jahren mit dem Brauwesen verbunden ist, übernimmt 1935 die Mehrheit der Aktien. Ein Jahr später fusionieren die Vereinigten Brauereien AG mit der Brauerei St. Georg.

Vom Zweiten Weltkrieg bis Heute

Während des Zweiten Weltkrieges wird wegen der Rohstoffknappheit nur 2,4-grädiges Lagerbier gebraut - im Volksmund "Breuerschwitz" genannt. 1945 wird das Schwechater Brauhaus weitestgehend zerstört. 12-grädiges Lagerbier wird erstmals wieder am 1. September 1945 gebraut. Unter Dipl. Brau Ing. Manfred Mautner Markhof beginnt der Wiederaufbau!
Anfang der 50er Jahre geht die Brauerei Nussdorf in der Brauerei Schwechat über. 1955 wird die Marke "Hopfenperle" wieder aktiviert. Als zeitloses, klassisches Symbol der Marke Schwechater wird 1963 das "Glas voll Schwung" als Markenzeichen kreiert.

1978 wird das Unternehmen der Brauerei Schwechat AG in die Österreichische Brau AG eingebracht. 20 Jahre später fusionieren die Österreichische Brau AG und die Steirerbrau AG zur "Brau Union Österreich AG".

Gegenwart und Zukunft

Die Marke Schwechater hat durch das Schwechater Zwickl in der Gastronomie einen Aufschwung durch seine einzigartig hohe Qualität erfahren.
2003 hat man sich entschlossen, der Marke in der Gastronomie ihr neues "altes" Aussehen zu geben und die nostalgische Flaschenform und Etikettierung wieder einzusetzen. Als weiteren Hinweis auf höchste Qualität wurde die Zwickl- und Hopfenperleflasche mit einem Ringverschluss versehen!

Quelle: BRAU UNION ÖSTERREICH AG / http://www.schwechater.at

Danke

Ich bedanke mich bei der BRAU UNION ÖSTERREICH AG, auf deren Homepage ich so viel Interessantes über die Geschichte des Biers gefunden habe, das den gleichen Namen trägt, wie ich (leider ohne direkte Verwandtschaft).
Aber ich bin stolz darauf diesen Namen zu tragen und ziehe vor meinen "Namens-Vettern" voller Hochachtung den Hut. Das nennt man Unternehmertum! (Und bei meinem nächsten "Lager-Bier"-Konsum werde ich bestimmt an den Erfinder denken!)

Chapeau!

Aus Österreich erreichte mich die folgende E-Mail-Nachricht, über die ich mich ganz besonders gefreut habe und die ich gerne hier festhalten möchte:

Liebe Fr. Dreher!
Mein Name ist Diana Wünschek-Dreher, und ich bin eine Ur-Ur-Enkelin des berühmten Anton Drehers, er war der Großvater meiner Großmutter. Durch Zufall (habe nach der Adresse der Brauerei in Triest gesucht) bin ich auf Ihre Web-Site gestoßen, und habe ihre Recherchen über Dreher gelesen. Ich wollte Ihnen gratulieren und freue mich, dass Sie sich diese Mühe gemacht haben.
Liebe Grüße aus Österreich
Diana Wünschek-Dreher

Eine weitere Nachricht aus Österreich zu diesem Thema hat mich erreicht:
Ein Herr (Name wird hier aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht) schrieb mir folgendes:

"Meine Gattin ist Slowakin, und wir besitzen ein Wochenendhaus in der Slowakei, in der Nähe von Trencin im Ort Horna suca. Dort in der Nähe gibt es ein Jagdschloss mit dem Namen "Antons Tal" .

Von einen Einheimischen der die Geschichte des Dorfes und seiner Umgebung dokumentiert - unter anderen auch die des Jagdschlosses -
habe ich erfahren, das es sich um einen Anton Dreher handelte, der auch sehr viel Wald, Glashütten und eine Brauerei besaß.(Jagdschloss in Nemsova, Glashütte in Nemsova, Glashütte in Ledince Rovni, Schloss in Brumov)".

Könnte es sein, dass..... ?

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